Schwarze Schafe im Löhner Ratssaal

Okt 29th, 2009 | von | Kategorie: Kultur im Küchenland

Der Bürgermeister lächelte verschmitzt. „Nein“, sagte Heinz-Dieter Held. „Schwarze Schafe habe ich im Ratssaal noch nie gesehen.“ Nach einer Gedankenpause fügte er an: „Jedenfalls keine Wollschafe.“ Am Montag zeichnete Held das Löhner Klimabündnis aus. Unter den Geehrten waren auch zwei tierische Teilnehmer: zwei rauhwollige pommersche Landschafe.
Insgesamt 17 Jugendgruppen bekamen aus den Händen des Bürgermeisters Urkunden für ihre Aktion am Löhner Klimatag Ende September. Die Schafe allerdings bekamen nichts außer sehr viel Aufmerksamkeit.
Die Gruppen hatten unter anderem eine Kissenschlacht auf der Bünder Straße, ein Picknick und eine Anti-Atomkraft-Demonstration organisiert (wir berichteten).
Mitgemacht hatten auch die beiden elfjährigen Freundinnen Rebekka Sörgel und Linda Kühnel. Sie hatten die beiden Schafe namens Schwesti und Mugel über die Lübbecker Straße geführt. Damit wollten sie zeigen, dass Tiere als natürliche Rasenmäher Deiche pflegen und so die Folgen des Klimawandels bewältigen helfen.
Zur Ehrung beim Bürgermeister wollten Rebekka und Linda unbedingt Schwesti und Mugel wieder mitbringen. Also lud Besitzerin Dr. Christel Habbe die beiden Tiere in den Hänger und karrte sie vors Rathaus. Die beiden 11-Jährigen hatten zuvor angefragt, ob sie ihre Tiere mit hineinnehmen dürften.
Sie durften. Aber schon bei der Begrüßung unterbrach sich Bürgermeister Heinz-Dieter Held immer wieder in seiner Rede und schaute mit gehobenen Augenbrauen zur Tür. Dort, etwas hinter den Plätzen, wo normalerweise die Mitglieder der CDU-Fraktion sitzen, standen die beiden schwarzen Schafe. Sie lauschten bemerkenswert leise den Worten des Bürgermeisters und der Ansprache von Petra Schepsmeier, der Organisatorin des Löhner Klimatages. Sie blökten nicht ein Mal.
Richtig ruhig blieben Schwesti und Mugel aber nicht, allen Streicheleinheiten der beiden Freundinnen zum Trotz. Die Schafe konnten sich nämlich ihre tierischen Bedürfnisse nicht verkneifen. Fünfmal mussten sie Wasser lassen und taten das auch ganz ungeniert. Wie gut, dass die Tiere auf einer großen Lastwagen-Plane standen. Christel Habbe wischte jede Pfütze schnell mit saugfähigem Küchenpapier auf. So bliebt der Teppich des Ratssaals zur Freude von Rathauswartin Ulrike Rein von dem Malheur verschont. Nach einer Viertelstunde verließen die beiden Schafe den Ratssaal.
Erst nachdem Frank-Michael Wuff von Expert Döring und Andreas Herzberg von der Gasversorgung Westfalica Gutscheine und Fördergelder von insgesamt 750 Euro an die 17 Jugendorganisationen verteilt hatten, kehrte eines der schwarzen Schafe zurück: Schwesti durfte mit auf das Erinnerungsfoto.
Aus lauter Freude purzelten dem Schaf gleich mehrere rosinengroße Köttel hinten raus. Diesmal stand das Tier aber mitten im Ratssaal.

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