Rotieren fürs Rinderfilet
Okt 27th, 2009 | von Ulf Hanke | Kategorie: Das Fernseh-Gericht
Achtung, Kamera! Tanja Tunnicliffe (29, Preußisch Oldendorf) unter Beobachtung eines Vox-Fernsehteams.
Tanja Tunnicliffe steht noch keine Stunde hinterm Herd, aber weiß schon jetzt: „Koch ist kein Job für mich.“ Das ist bemerkenswert, denn die 29-Jährige aus Preußisch Oldendorf hat sich freiwillig für eine Woche um den Job beworben. Im Restaurant Flores kocht sie gegen vier Mitbewerber und schuftet wie ein Profi für 20 Stammgäste des Hauses. Vox zeichnet den Wettstreit für die Sendung „Unter Volldampf“ auf.
Der Satz fällt, als gerade keine Fernsehkamera in der Nähe ist. Schade! Genau auf diese Momente kommt es den Fernsehmachern an. Dabei ist Tanja Tunnicliffe nicht etwa am Ende, sondern steht am Anfang. Fünf Tage lang schauen zwei Kamerateams der 29-Jährigen Hobby-Köchin und ihren Mitstreitern aus Bünde, Bad Oeynhausen und Hiddenhausen auf die Finger. Und nicht nur die. Auch Flores-Küchenchef Torsten Adam wacht über jedes Gericht. Schließlich will der Profi seine Stammgäste nicht vergraulen.
Am Montagabend ging’s los. Flores hat sich nach Angaben von Inhaberin Claudia Sturm nicht um den Fernsehauftritt beworben, sondern wurde ausgesucht. Sturm sagte zu und hat in den letzten Wochen ihre Gäste gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, beim Essen gefilmt zu werden. „Überraschend viele haben zugesagt“, sagt die Inhaberin. Die Gäste dürfen genießen und müssen anschließend die Kochkunst bewerten. Jeden Abend verteilen sie so Punkte an die Bewerber, der Tagessieger bekommt eine Flasche Champagner, der Gesamtsieger 3.000 Euro. Das Restaurant ist in dieser Woche fürs Fernsehen geschlossen.
Vom Preisgeld redet Florian Jacke aus Bad Oeynhausen nicht. Der 29-Jährige Hobby-Koch hat sich um den Fernseh-Auftritt beworben. Auf die Frage nach dem Motiv sagt Jacke: „Ich wollte mal die Erfahrung machen, in einer Profi-Küche zu kochen.“ Das Haus Flores war dem Bad Oeynhausener ein Begriff. Die Küche hat er als Hochzeits-Gast in guter Erinnerung. Allerdings hat er sie nur geschmeckt, nicht gesehen. Am Montagabend steht er nun selbst zwischen den Edelstahl-Arbeitsplatten und schneidet Tomaten. Das Rezept für den Salat kommt vom britischen Fernseh-Koch Jamie Oliver. Florian Jacke hat es zuhause gestestet. Mit kritischen Genießern. „Meine Frau ist Italienerin“, erzählt er und: „Tomaten esse ich erst seit meiner Hochzeit.“ Aber dann steht Küchenchef Torsten Adam plötzlich neben Jacke. Der Hobby-Koch weiß, was das bedeutet: „Ich muss mich beeilen.“
Nebenan schält Elisabeth Wollny aus Bünde Pfirsiche für ihre Gänsestopfleber. Das Rezept hat sie in Frankreich gegessen und dann im Internet danach gesucht. Wie jeder Kandidat der Sendung trägt sie weiße Koch-Kleidung und eine Mütze. Darauf steht nicht etwa der eigene Name, sondern der jeweilige Gang des Abends. Elisabeth Wollny heißt am Montag „Zwischengang“ und hat noch einen Haufen Pfirsich vor sich. „Das ist ganz schön stressig!“, stöhnt die 22-Jährige mit leuchtend roten Ohren. „Da vergisst man sogar Pi zu machen.“
Der Stress ist Susanne Sander aus Bünde nicht anzusehen. Die 52-Jährige kennt sich in Küchen aus. Sie arbeitet für einen Rödinghausener Küchenhersteller. Allerdings nicht als Köchin. Gleich am ersten Abend lastet eine große Aufgabe auf den Schultern von Susanne Sander: Die bereitet den Hauptgang vor. Es gibt Rinderfilet im Salzmantel mit Zuckerschoten und dreierlei Kartoffel-Püree. Das Rezept hat die Hobby-Köchin aus einem Brigitte-Kochbuch und sie verrät: „Das gibt es bei uns immer zu Weihnachten.“
Von der Hektik zwischen Honigmus und Rinderfilet bekommt Marko Stahn nicht viel mit. Der 38-jährige Hiddenhausener trägt am Montag Nadelstreifen. Er ist für den Service zuständig. Mit Chefin Claudia Sturm hat er die Tische gedeckt und dekoriert. Eigentlich liegt ihm der Job in der Küche eher, vermutet Stahn. „Am besten gelingen mir Desserts“, glaubt der 38-Jährige. Schon vor zwei Jahren hat er sich bei Vox beworben und gar nicht mehr damit gerechnet, ausgewählt zu werden. Für den Job als Kellner bringt Stahn aber eine außergewöhnliche Erfahrung mit: Als Zeitsoldat bei der Luftwaffe war er Geschäftsführer im Offizierskasino. Ist er ein pflegeleichter Kellner? Claudia Sturm lacht: „Das sieht man, wenn die Gäste kommen.“
- Die Sendung „Unter Volldampf“ aus dem Restaurant Flores läuft von Montag, 30. November bis Freitag, 4. Dezember, um 19.50 Uhr.
- Das Haus Flores hat 1902 als Kolonialwarengeschäft, Bäckerei und Wirtschaft geöffnet. Erster Inhaber war Conrad Flores. Enkel Heinz-Conrad Flores hat die Leitung des Restaurants an seine Tochter Claudia Sturm weitergegeben, heute ist Torsten Adam Küchenchef. Während der Dreh-Tage steht Altmeister Heinz-Conrad Flores noch mal am Herd. Allerdings ohne Kameras. Er kocht für das neunköpfige Fernsehteam. Am Montag gabs Rouladen nach Art des Hauses.
